Alice Schalek – Die letzten Tage der Menschheit

Premiere: 7.5.2011 (weitere Vorstellungen am 9.5,10.5, und 11.5)

Veranstaltungsort: Mumuth

„Alice Schalek - Die letzten Tage der Menschheit“ ist eine Szenencollage sowohl aus der Tragödie „Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus, als auch aus dem Leben von Alice Schalek.

 

Das Konzept dieses institutsübergreifenden Projekts war es mehrere Studiengänge zu vernetzen und ein gemeinsames Projekt auf die Beine zu stellen.

 

 

Über "Alice Schalek - Die letzten Tage der Menschheit"

 

Unter dem Eindruck des Ersten Weltkrieges schrieb Karl Kraus in den Jahren 1915-1922 seine „Tragödie in 5 Akten mit Vorspiel und Epilog“. Wegen seiner enormen Anforderungen selten aufgeführt, gehört es dennoch zu den Meisterwerken des politisch-satirischen Welttheaters.

Karl Kraus schreibt in seinem Vorwort zu „Die letzten Tage der Menschheit“, das Stück „sei einem Marstheater zugedacht“, da ein normales Publikum ihm nicht standhalten könne. In über 200 Szenen werden ständig neue, vollkommen unterschiedliche Charaktere vorgestellt. Teilweise historisch, teilweise frei erfunden teilen sie ein Schicksal: Kraus reiht ihre zu großem Teil aus Zitaten bestehenden Textzeilen so aneinander, dass ihre Ungereimtheiten, inneren Widersprüche und scheinheiligen Argumente offen gelegt werden.

Trotz ständiger Ortswechsel, bleibt der Rezipient meist in sicherer Entfernung zur tatsächlichen Schlacht. Dort zeichnet Kraus sein groteskes Bild einer Presse, die durch Phrasendrescherei ihren Beitrag zum Verkommen der Sprache leistet. Scheinargumente und Doppelmoral der Kriegsberichterstattung übertragen sich wie ein Lauffeuer auf die Bevölkerung - nur allzu gerne wird den Schlagzeilen blind vertraut. Eingängige Parolen werden bis ins Unendliche wiedergekäut, patriotische Begeisterungsstürme sollen den auf einer „Lappalie“ begründeten Weltkrieg rechtfertigen und die Vernichtung des „Menschenmaterials“ in sinnlosen Scharmützeln legitimieren.

Mit seinem Alter Ego, dem „Nörgler“, schafft sich Kraus ein Sprachrohr, das im fortschreitenden Diskurs mit seinem Gegenspieler, dem „Optimisten“, die umgangssprachlichen Fehlleistungen und die daraus resultierende sprachliche Konfusion entlarvt.


Mit Fortschreiten des Stücks - und damit des Krieges - mischt sich unter die grundlose Fröhlichkei“ ein dumpf brütendes Schweigen, zur zivilen Bevölkerung gesellen sich Invalide, Krüppel, Larven und Lemuren. Die tierischen, gierigen und barbarischen Züge, die die Menschen im Krieg angenommen haben, werden nach und nach offenbart. Exzesse und Brutalitäten von Offizieren und Kriegsgewinnlern werden auf die Spitze getrieben.


Der Wahnsinn des Krieges gipfelt in einer apokalyptischen Vision - die Menschen haben sich eines Lebens auf der Erde nicht als würdig erwiesen.

 

(Verfasst von Rosa Wallbrecher)