Ensemble KlangImPuls

Ensemble KlangImPuls 
Joseph Haydn, Sofia Gubaidulina, Dirigent: Wolfgang Schmid
2002 (Vol. 23, 1 CD)


Die vorliegende CD ist nun die 23., die in der 1994 ins Leben gerufene CD-Reihe „Klangdebüts“ erscheint. Es sind ausschließlich immer wieder Aufnahmen von Studierende der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz in einem breiten stilistischen Spektrum. Das Gesamtverzeichnis der bisher  erschienenen CDs, welches ebenfalls in diesem Booklet auffindbar ist, gibt darüber Auskunft. Das Ziel ist es, den studierenden jungen Musikerinnen und Musikern einerseits den technisch-künstlerischen Hergang eines Aufnahmevorgangs zu vermitteln und andererseits, ihnen mit diesen „Klangdebüts“ Leistungsdokumentationen für den Einstieg ins Berufsleben in die Hand zu geben.

Wie aus den Kommentaren auf den folgenden Seiten zu entnehmen ist, wurde die Diskussion zwischen den ausführenden Musikern, dem Dirigenten Wolfgang Schmid, dem Akkordeonisten Martin Veszelovicz (die Kunstuniversität Graz ist eine der wenigen und die einzige Kunstuniversität in Österreich überhaupt, die Akkordeon als künstlerisches Diplomstudium anbietet) und dem Verfasser der Programmeinführung, Harald Haslmayr, nicht losgelöst vom musikalischen Aufführungsgeschehen, sondern als ein Bestandteil der klingenden Interpretation der Werke in Szene gesetzt. „Musik verstehen“, die Domäne der Versuche der Musikwissenschaft, und „Musik machen“, das gerne der Spezies der Nur-Musikanten zugeordnet wird, bedingen sich, und es entsteht, was erst mit gutem Grund den Namen Interpretation verdient. Das verhältnismäßig junge universitäre Fach Musikwissenschaften entwickelte im späten 19. Jahrhundert seine Visionen einer musikwissenschaftlichen Exegese der musikalischen Texte nach dem Muster verwandter Disziplinen, der Germanistik oder der Altphilologie, und sah in der im 20. Jahrhundert dann entstehenden Rezeptionsästhetik zunächst eine geradezu bedrohliche Auflösung ihrer werkbegrifflichen Denkungsweise. Solches kann heute für die Studierenden einer Musikuniversität nur mehr aus historischer Perspektive interessant sein. In der Aufgabe des verlebendigenden Musikmachens aber hebt sich diese Trennung auf und kann geleitet sein – wenn es Höhepunkte gibt – vom Bündnis (und der Notwendigkeit), Musik so darzustellen, dass sie uns lehrt, die Welt und die Menschen besser zu verstehen.
Otto Kolleritsch, Rektor

VORBEMERKUNG
Die hier vorliegende CD versteht sich als nachklingende Dokumentation des Konzerts, das am 9. Juni 2002 im Theater im Palais der Kunstuniversität stattfand und das neben den beiden hier eingespielten Werken auch Kompositionen von J. S. Bach und W. B. Molique enthielt.
Sowohl den Opern- und Konzertveranstaltungen unserer Universität gehen begleitende Diskussionen voraus, an denen sich Interpreten, Solisten, Sänger, Regisseure, Dramaturgen und Wissenschafter beteiligen und die Fragen der Ästhetik, Aufführungspraxis, Programmgestaltung etc. thematisieren.
Wie es der guten akademischen Tradition einer Universität entspricht, gibt es schließlich keine endgültige „wahre“ oder gar dogmatische Lehrmeinung, sondern die vielfältigen Zugänge werden respektvoll akzeptiert. Dieses, wie wir meinen, kreative künstlerische Milieu kann anhand der folgenden abgedruckten Kommentare zu den beiden Werken von Joseph Haydn und Sofia Gubaidulina auch dem Publikum zugänglich gemacht werden:
Im Fall von Joseph Haydns Sinfonie „Le soir“ kam es im Anschluss des Konzerts zu einer angeregten Diskussion zwischen dem Dirigenten und dem Verfasser der Programmeinführung, wobei es vor allem um die divergierende Auffassung der ersten beiden Sätze ging. In einem Brief formulierte Wolfgang Schmid seine Anfragen und Bedenken.
Harald Haslmayr, Institut für Wertungsforschung

Titelliste:

  • Joseph Haydn
    Sinfonie Nr. 8 G-Dur „Le Soir“
    Allegro molto [4:22], Andante [7:05], Menuet – Trio – Menuet D.C. [4:39], Presto “La Tempesta” [3:27]
    Albana Laci, Andras Homoki, Solo-Violinen, Martin Dimov, Solo-Violoncello, Andor M. Vinczi, Solo-Kontrabass, Georg Pammer, Cembalo

  • Sofia Gubaidulina
    „Sieben Worte“ für Violoncello, Bajan (Akkordeon) und Streicher
    I. Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. [4:30], II. Weib, siehe, das ist dein Sohn. – Siehe, das ist deine Mutter. [4:48], III. Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein. [4:34], IV. Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? [9:10], V. Mich dürstet [5:14], VI. Es ist vollbracht. [2:52], VII. Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände. [3:53]
    Martin Veszelovicz, Akkordeon, Tibor Szabo, Violoncello, Dirigent: Wolfgang Schmid