Vokal - Instrumental - International

Vokal - Instrumental - International
Europäisches Podium junger Solisten; mit Werken von C. Monteverdi, G. F. Händel, L. Dallapiccola, F. Schubert, S. Rachmaninow, O. Respighi, und J. Turina

2006 (Vol. 29, 1 CD)


„Klangdebüts“ ist ein überaus sinnvoller Titel, der seit 1994 existierenden Reihe von CD- Veröffentlichungen an der Kunstuniversität Graz (KUG), in der nun auch diese CD als „Vokal – Instrumental – International“ erscheint, Klang ist mehr als Ton. Klang ist die Voraussetzung, vokaler Klang der Beginn aller Musik. Klang ist an Zeit gebunden, überaus vergänglich. Vokaler Klang stellt die unmittelbarste Möglichkeit des Menschen dar, sich musikalisch zu äußern, – und zugleich seine subjektivste, fragilste und flüchtigste. Ohne Klang kein gesungenes Wort, ohne klingende Worte keine Interpretation vokaler Werke!
Debüt heißt, dass sich hier junge Vokalisten/Innen größtenteils zum ersten Mal daran wagen (dürfen), bei einer Aufnahme mitzuwirken, d.h. ihre Klänge der Zeitlichkeit zu entheben. Chance und Risiko bzw. Herausforderung liegen, wie gesagt, dicht nebeneinander: auf einer ersten Ebene gilt es, sich mit der Technik eines modernen Studios und der notwendigen Einteilung der eigenen vokalen Ressourcen bei einer professionellen Aufnahme vertraut zu machen, auf einer zweiten werden die jungen Künstler/Innen mit ihrem eigenen sozusagen materialisierten Klangbild und seiner Irreversibilität konfrontiert.
Ein solches Klangdebüt, und das könnte die dritte und bedeutungsvollste Ebene dieses Unterfangens darstellen, birgt dann in sich die zugleich erregende wie produktive Möglichkeit, dass den jungen Musiker/Innen durch die Begegnung mit ihrem eigenen Klang und ihren darauf aufbauenden Interpretationen (in wiederholten akustischen Spiegelungen) neue Fähigkeiten der Selbstwahrnehmung, ein neues Qualitätsbewusstsein, ja neue Kriterien dem künstlerischen Schaffensprozess selbst gegenüber erwachsen. Dann hätte diese Aufnahme nicht nur zur Ausbildung, sondern auch zur Bildung der Sänger/Innen beigetragen.
Dass die jungen Interpreten/Innen der Kunstuniversität Graz aus den verschiedensten Nationen stammen, zeigt zum einen die ungebrochene Attraktivität, die von vermeintlich unzeitgemäßen musikalischen Gattungen wie Lied und Madrigal ausgeht, zum anderen belegt sie die überaus begrüßenswerte Realität der kulturellen Globalisierung an unserer Kunstuniversität. Die Selbstverständlichkeit des Miteinandermusizierens von jungen Vokalisten/Innen aus aller Welt mag dabei besonders verblüffen, da sie sich ja (im Gegensatz zu Instrumentalisten) mit klingenden Worten ausdrücken und dabei die verschiedensten phonetischen Idiome zu beherrschen haben.
Diese Klangdebüt-CD lädt zum produktiven Hören ein! Der Prozess des nachschattenden Rezipierens mag genussvoll oder irritierend, beruhigend oder verunsichernd sein: dem Enthusiasmus der Musizierenden, der Intensität und Qualität ihrer Ausdruckskraft wird man sich kaum entziehen können!
Ulf Bästlein, Univ.Prof. für Gesang an der Kunstuniversität Graz

Titelliste:

  • Claudio Monteverdi (1567-1643): Batto, qui pianse Ergasto. Ecco la riva (Giambattista Marino) [3:43]
  • Georg Friedrich Händel (1685-1759): Pastorella vagha bella (Hirtin meine, kleine, feine) - Kantate für Sopran, obligates Cembalo und Violoncello: Arie „Pastorella vagha bella” [2:59], Recitativ „Cosi alla bella Nicea“ [1:01], Arie Solo per voi tra mille“ [3:02]
  • Luigi Dallapiccola (1904-1975): Quattro liriche di Antonio Machado: La primavera ha venido [1:21], Ayer soné [2:15], Senor, ya me arrancaste [1:36], La primavera ha venido [2:47]
  • Franz Schubert (1797-1828): Auf dem Strom, D. 943 (Ludwig Rellstab) für Singstimme, Horn und Klavier [9:00]
  • Sergej Rachmaninow (1873-1943): An der Pforte des heiligen Klosters (M. Lermontov) [3:16], O nein, ich bitte dich, verlass mich nicht! (D. Merezhkovsky) op. 4/1 [2:08], Morgen (M. Vanov) op. 4/2 [1:46], Es ist Zeit (S. Nadson) op. 14/12 [1:24]
  • Ottorino Respighi (1879-1936): II Tramonto (Roberto Ascoli nach Percy Shelley) - Lyrisches Gedicht für Mezzosopran und Streichquintett [13:10]
  • Joaquin Turina (1882-1949): Aus „Las Musas de Andalucia” op. 93: 5. Melpómene (Poesía de Josefina de Attard) [3:11], 6. Erato (Poesía popular) [3:18]