Entwicklung und Erschließung der Künste (EEK)

„Die KUG versteht unter EEK informierte und reflektierte künstlerische Praxis sowie die Kommunikation deren künstlerischer Erkenntnisse. EEK umfasst die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung einer signifikanten Neugestaltung, Neuinterpretation, künstlerischen Vertiefung oder Horizonterweiterung in der künstlerischen Praxis. Dabei werden Information und Reflexion mit der eigenen künstlerischen Erfahrung und Intuition verbunden.

Dabei versteht die KUG unter ‚informiert‘, dass der/die Künstler*in ein Bewusstsein für den Stand der Interpretation bzw. der Kunstproduktion im Fach besitzt und sich ebenfalls mit den zugehörigen wissenschaftlichen Diskursen bzw. Quellen befasst hat.

Unter ‚reflektiert‘ versteht die Kunstuniversität Graz, dass sowohl die eigene künstlerische Praxis als auch die Praxis anderer kritisch hinterfragt und überdacht werden. Diese Reflexion wie auch die eigene Methode müssen jedenfalls verbalisiert werden können, um eine Basis für erschließungsgeleitete Lehre von Professor*innen (Venia-Träger*innen) zu bilden. Ohne Auswirkung auf die Lehre ist es nach Ansicht der Kunstuniversität Graz möglich, EEK auch ohne Verbalisierung – allerdings mit anderen Formen der Kommunikation der Ergebnisse – zu betreiben.

EEK zeigt sich an der genuinen Weiterentwicklung der Praxis sowie der eigenen künstlerischen Persönlichkeit; gewonnene Erkenntnisse müssen – im Gegensatz zur künstlerischen Forschung – nicht systematisch aufbereitet werden.

Die KUG versteht EEK immer als sowohl Entwicklung als auch Erschließung. Eine signifikante Neugestaltung, Neuinterpretation, künstlerische Vertiefung oder Horizonterweiterung in der künstlerischen Praxis wird informiert und reflektiert entwickelt und durch verschiedene Formen der Kommunikation erschlossen. Die Entwicklung wird durch die Erschließung transparent, vermittelbar und für andere erlebbar, nachvollziehbar, verständlich, und öffnet die künstlerischen Erkenntnisse dem künstlerischen Diskurs und Unterricht.

Die Kunstuniversität Grazdefiniert EEK als weitergefasst als künstlerische Forschung. Der österreichische Gesetzgeber hat EEK als Pendant zur wissenschaftlichen Forschung in den Aufgabenbereich der Kunstuniversitäten und damit der künstlerischen Veniaträger*innen normiert. Da im UG künstlerische Forschung nicht explizit erwähnt ist, muss man in Österreich davon ausgehen, dass sie dort unter den Begriff EEK subsumiert wird und nicht als – neuer –Teilbereich der ‚[wissenschaftlichen] Forschung‘ anzusehen ist. Künstlerische Forschung beruht zwar auf explorativer, informierter und reflektierter künstlerischer Arbeit und ist damit EEK im oben dargestellten Sinn, sie geht aber insofern über EEK im weiteren Sinn hinaus als sie u.a. einen systematischen methodischen Rahmen erfordert und durch die intersubjektive Relevanz, Gültigkeit und Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse gekennzeichnet ist, was methodisch oft - im Gegensatz zur EEK im weiteren Sinn - die Dokumentation und Analyse des Forschungsprozesses beinhaltet. Künstlerische Forschung wird daher an der Kunstuniversität Graz als ein Spezialfall von EEK angesehen, der im Gegensatz zu EEK im weiteren, oben dargestellten Sinn nicht von allen künstlerischen Veniaträger*innen eingefordert wird.[1]

Universitätsinterne EEK durch Lehrende ist gegeben, wenn Obengenanntes innerhalb der Lehre oder mit dem Ziel künstlerischer Produktion auch mit Studierenden im Rahmen der Universität geschieht. EEK der Lehrenden mit Venia ist sowohl deren universitäre, von der Lehre unabhängige Dienstpflicht, als auch eine laufend zu leistende Basis universitärer künstlerischer Venia-Lehre.

Es besteht Einigkeit, dass nicht jedes künstlerische Projekt an der Universität als EEK zu bezeichnen ist; vieles (z. B. die meisten Klassenabende) fällt in den Bereich Lehre und sind damit pädagogische Projekte. Große Veranstaltungen, wie in erster Linie die Abo-Veranstaltungen, werden allerdings als EEK kuratiert. Gleichzeitig sind sie der Transfer der universitätsinternen EEK in die Gesellschaft. Zu diesem Third Mission-Anspruch bekennt sich die Universität in ihrer institutionellen Verantwortung“.


[1] Diese Einteilung folgt im Wesentlichen der Einteilung von Darla Crispin in ihrem Aufsatz: Artistic Research and Music Scholarship: Musings and Models from a Continental European Perspective, in: Artistic Practice as Research in Music. Theory, Criticism, Practice, hrsg. von Mine Doğantan-Dack, Aldershot, 2015, S. 53–72., wobei die Kunstuniversität Graz EEK im weiteren Sinn als „Informed, Reflective Musical Praxis“ und „Research in-and-through Musical Praxis (Artistic Research)“ und EEK im engeren Sinn als „Research in-and-through Musical Praxis (Artistic Research)“ definiert.