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Die Kunstuniversität Graz trauert um Friedrich Körner (13.12.1931 – 06.08.2021)

Friedrich Koerner; Foto: Archiv

O.HProf. Hofrat Dr.phil. Friedrich Körner war Initiator und Gründungsvorstand des Instituts Jazz sowie langjähriger Leiter des Instituts für Jazzforschung. Er wirkte prägend als Landesmusikdirektor für Steiermark und Gründungspräsident der Internationalen Gesellschaft für Jazzforschung, vor allem aber in seiner Tätigkeit an der Kunstuniversität Graz. Dank seiner Verdienste wurden Graz und die KUG nachhaltig auf Europas Jazz-Landkarte verortet.

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Seine musikalische Ausbildung erhielt Friedrich Körner in Graz. Erst an der Volksmusikschule, dann am Landeskonservatorium lernte bzw. studierte er Trompete bei Franz Brugger (Abschluss 1957 mit sehr gutem Erfolg) und Harmonika, eine Zeit lang auch Kontrabass. An der Karl-Franzens-Universität Graz belegte er Musikwissenschaft und Volkskunde, zu seinen Lehrenden dort zählte auch Joseph Marx. Diese Studien schloss er 1964 mit der Promotion zum Dr.phil. ab, als erste Dissertation in Österreich widmete sich seine Arbeit in einem Hauptkapitel dem Jazz.

Friedrich Körner war als Trompeter in Klassik wie Jazz erfolgreich, er spielte u. a. im Philharmonischen Orchester Graz und im Tanzorchester Bad Ischl, war Gründer, Leiter und 1. Solotrompeter der preisgekrönten „New Austrian Big Band“ sowie von 1961 bis 1964 Musikreferent am Forum Stadtpark. Körner wirkte erfolgreich als Trompeten- und Clarino-Interpret barocker Musik und reüssierte zugleich europaweit als Jazztrompeter mit eigenem Ensemble.

Noch bevor die heutige Universität für Musik und darstellende Kunst 1963 als Akademie gegründet wurde, machte sich Friedrich Körner, damals Ausbildungslehrer für Trompete am Steiermärkischen Landeskonservatorium, mit großer Leidenschaft für ein Jazzinstitut stark. Seine akademische Karriere begann er 1964 an der Akademie für Musik und darstellende Kunst als Lehrbeauftragter am Institut für Musikfolklore (heute Ethnomusikologie), bald folgte ein Lehrauftrag im Hauptfach Trompete. In dieser Position setzte er seine Bemühungen fort und legte noch im selben Jahr den letztlich erfolgreichen Antrag zur Gründung eines Instituts für Jazz vor. Bereits im Vorfeld der finalen Bewilligung von Lehrbeauftragungen durch das Bundesministerium im Jänner 1965 begann die Arbeit am neu gegründeten Institut mit ersten Ensembleproben. Damit wurde in Graz das europaweit erste selbstständige Institut zur Jazzausbildung auf akademischer Ebene ins Leben gerufen.

Im März 1965 bot die Akademie für Musik und darstellende Kunst Graz das erste internationale Jazz-Seminar an (zu den Dozenten zählte u.a. Friedrich Gulda), im Oktober veranstaltete man in Graz die ersten internationalen Jazz-Tage. Die von Körner mit großem persönlichen Einsatz und engagierter Medienarbeit betriebene Etablierung und internationale Vernetzung des Instituts trug Früchte. Bereits 1966 kamen junge Musiker*innen aus den USA, um in Graz Jazz zu studieren.

1966 startete Friedrich Körner gemeinsam mit Dieter Glawischnig und Alfons Dauer am Institut die Vorbereitungen für die neue Teildisziplin „Jazzforschung“. 1969 gründete er die Internationale Gesellschaft für Jazzforschung, im selben Jahr fand von 16. bis 20. April in Graz die vermutlich erste Jazzwissenschaftliche Tagung der Welt statt. Im selben Jahre wurde Friedrich Körner zum Direktor der Sektion Musikwissenschaft der 1965 in Venedig gegründeten Europäischen Jazzföderation.

Mit dem Inkrafttreten der neuen Kunsthochschulordnung am 29. Jänner 1970, die eine „Verbundlichung“ der Akademie zur Hochschule bedeutete, kam es zur Gründung eines selbstständigen Instituts für Jazzforschung und damit zur Trennung dieses Bereichs von der Abteilung Jazz. Friedrich Körner, der im selben Jahr zum außerordentlichen Hochschulprofessor ernannt wurde, wirkte künftig als Vorstand des neuen Instituts, die Leitung der Abteilung Jazz übernahm Dieter Glawischnig. 1971 folgte die Ernennung Körners zum Vorstand der Abteilung Blas- und Schlaginstrumente sowie zum Stellvertreter des Rektors Friedrich Korčak. Zudem folgte er Erich Marckhl in der Funktion des Landesmusikdirektors für Steiermark nach.

1972 wurde Friedrich Körner zum ordentlichen Hochschulprofessor für Jazzforschung und Akkulturationslehre ernannt, 1980 erfolgte die Errichtung der entsprechenden Lehrkanzel, 1989 die Ernennung Körners zum ordentlichen Hochschulprofessor für Trompete und Jazzforschung.

Von Graz wurde Friedrich Körner mit der Ernennung zum „Bürger der Stadt“ geehrt, von der Steiermark durch die Verleihung des „Großen Goldenen Ehrenzeichens“.

Auch nach seiner Emeritierung mit 31. Dezember 1996 und bis zuletzt verfolgte Friedrich Körner, der in unmittelbarer Nachbarschaft der KUG wohnhaft war, mit lebhaftem Interesse die Entwicklung seiner Universität. Er wird fehlen.