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Die Kunstuniversität Graz trauert um Philipp Harnoncourt (9.2.1931 – 25.5.2020)

Philipp Harnoncourt; Foto: Universitätsarchiv KUG

Em. Univ. Prof. Kanonikus Prälat Dr. Philipp Harnoncourt war der Gründer und erste Leiter des heutigen Instituts für Kirchenmusik und Orgel an der KUG, bevor er 1972 zum Professor für Liturgiewissenschaft an der Universität Graz ernannt wurde. Der bedeutende Liturgiewissenschaftler, Ökumeniker, Hymnologe und Seelsorger ist am 25. Mai 2020 in Grundlsee verstorben.

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Nach einem Studium der Theologie in Graz und München wurde Philipp Harnoncourt 1954 zum Priester geweiht. Er war Kaplan in Arnfels und Hartberg sowie Sekretär von Bischof Josef Schoiswohl.

1963 gründete Philipp Harnoncourt an der vormaligen Akademie bzw. Hochschule für Musik und darstellende Kunst Graz die Abteilung Kirchenmusik, der er bis 1972 auch als Leiter vorstand. 1972 wurde er an der Karl-Franzens-Universität Graz zum Universitätsprofessor ernannt, bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1999 war er dort zudem Vorstand des Instituts für Liturgiewissenschaft, Christliche Kunst und Hymnologie sowie von 1975 bis 1976 Dekan der Katholisch‐Theologischen Fakultät.

Als Ururenkel des Steirischen Erzherzogs Johann war der als Philipp Graf de la Fontaine und d’Harnoncourt‐Unverzagt in Berlin geborene Geistliche direkter Nachfahre eines Gründervaters von Musikverein und Kunstuniversität Graz. Die große familiäre Liebe zur Musik unterstreicht auch die Karriere von Philipps 2016 verstorbenem Bruder Nikolaus, der seit 1995 zu den Ehrenmitgliedern der KUG zählt.

Der begeisterte und begeisternde akademische Lehrer Harnoncourt war ein zündender Redner, als Vor- und auch als Querdenker ein kritischer, für Autoritäten mitunter unbequemer Geist, der auf seinen Arbeitsfeldern viel bewegt hat. Am Entstehen des katholischen Gesangbuchs Gotteslob (1975) hatte er großen Anteil, seine Schriften zu Hymnologie und Kirchenmusik sind vielfach Standardliteratur geworden. Sein Umgang mit Studierenden war von Empathie und Fürsorge geprägt, viele hat er tatkräftig gefördert, so dass nicht wenige aus seinem Schülerkreis heute akademische Positionen im Bereich von Musik und Theologie bekleiden.

Philipp Harnoncourt war päpstlicher Ehrenprälat und Kanoniker im Domkapitel an der Grazer Kathedral- und Pfarrkirche zum hl. Ägidius, für sein weit reichendes Engagement um die Ökumene wurde er 1997 in Sibiu/Hermannstadt zum Ehrendoktor in orthodoxer Theologie ernannt. Neben zahlreichen weiteren Auszeichnungen und Ehrungen war Philipp Harnoncourt Träger des Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse der Republik Österreich und des Großen Goldenen Ehrenzeichens mit dem Stern des Landes Steiermark.