Geschichte der KUG

Im Jahre 1815 wurde in Graz der heutige Musikverein für Steiermark als „Akademischer Musikverein“ gegründet - von 30  angehenden Akademikern aus dem Bürgerstand, die an der damals als Lyceum geführten Grazer Universität studierten. Die mehrmals umgearbeiteten Vereinsstatuten legten bereits im Gründungsjahr die Betätigung im Konzertsektor und im Unterrichtswesen fest: Die musikalische Bildung der Jugend in der Steiermark – zunächst durch die Förderung einer bereits bestehenden Singschule - war eines der Hauptanliegen des Vereins.  


Die Vereinsschule (1816 – 1939)

Im Jahre 1816 gab der Verein bekannt, eine eigene Singschule zu eröffnen: Die Singschule des „Akademischen Musikvereins“ in Graz nahm den Unterricht auf - und somit gilt die Singschule dieses steirischen Musikvereins als das älteste Musikinstitut Österreichs und ist Keimzelle der heutigen Universität für Musik und darstellenden Kunst Graz (KUG).

Im Wintersemester des Studienjahres 1818/19 begann der in den ersten Vereinsstatuten vorgeschriebene Unterricht in den Ausbildungsklassen, den ‚Schulen’ für Gesang und Blasinstrumente: Auf die Errichtung der Gesangsschule 1818 folgte 1819 – nach erfolgreicher Auswahl der eingegangenen Bewerbungen – damals wie heute ausgeschrieben in der ‚Wiener Zeitung’ – die Errichtung der Schulen für Holz- und Blechblasinstrumente. Im März 1819 wurde der Instrumentalunterricht erweitert durch eine Kontrabassklasse, und somit erhielten im Schuljahr 1819 in den ‚Schulen’ des steirischen Musikvereins 100 so genannte „Zöglinge“ unentgeltlich eine musikalische Ausbildung. Ausgezeichnete SchülerInnen wurden – damals wie heute - prämiert: Neben vereinseigenen Prämien gab es Prämien durch externe Sponsoren.

Die Annahme des Protektorats über den Musikverein durch Erzherzog Johann, eines Bruders des damaligen Habsburger-Kaisers Franz I., im Jahre 1819 unterstrich die gesellschaftliche und pädagogische Bedeutung dieses bürgerlichen Vereines und trug während des 40jährigen Protektorates wesentlich zur Entwicklung der Vereinsschule bei. Am 25. Mai 1859 gedachte der Musikverein seines großen Gönners und Schutzherren mit Mozarts ‚Requiem’: Erzherzog Johann starb am 11. Mai 1859 in seinem Grazer Stadtpalais, dem Palais Meran in der Leonhardstrasse 15, heute Hauptadresse der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz.

Die Erhaltung, möglichste Erweiterung und Verbesserung der musikalischen Lehranstalten war und blieb das „vorzüglichste“ Bestreben des 1821 umbenannten „Steiermärkischen Musikvereines“, der sich als eine Gründung für die ganze damalige Steiermark verstanden wissen wollte. 1820 eröffnete Musikdirektor Franz Eduard Hysel nach den Unterrichtsmethoden des bereits etablierten Pariser Konservatoriums die erste Violinschule. Ebenfalls 1820 begann der Unterricht in der ersten Violoncelloschule. Der 1822 gemachte Vorschlag zur Errichtung einer so genannten ‚Theatergesangsschule’ fand keine Zustimmung.

Finanzielle Engpässe des Vereins wirkten sich in der Folgezeit auch auf die Vereinsschule negativ aus: In Ermangelung eines eigenen Musikvereinsgebäudes fand der Unterricht in den Räumen der damaligen Volksschule, der so genannten ‚Normalschule’ in der Färbergasse 11 statt; die 1830 eröffnete Schule für Generalbass und Choralgesang - Anliegen des Vereins bereits seit 1819/20 - wurde nach 1831 nur mehr für die PräparandInnen der Normalschule angeboten (vorbereitende Lehrerausbildung, auch kirchenmusikalisch); beinahe zehn Jahre lang gab es keine Blasmusikschulen (1833 bis 1842), und auch die Kontrabass- und Celloschulen konnten nicht kontinuierlich weitergeführt werden - nie unterbrochen war hingegen der Unterricht in den Gesangs- und Violinschulen. Interventionen des kaiserlichen Protektors Erzherzog Johann ermöglichten die Fortführung der finanziellen Unterstützung des Musikvereins durch die Landstände und somit auch den Fortbestand der Vereinsschulen. Der Unterricht wurde weiterhin unentgeltlich erteilt, ebenso unentgeltlich war für Mitglieder die Benützung der 1861 gegründeten Vereinsbibliothek.

Im Oktober 1862 trat für die Vereins-Musikschulen eine neue Schulordnung in Kraft, die erstmals Höchstzahlen der Aufzunehmenden festlegen musste, eine monatliche LehrerInnenkonferenz forderte sowie die Feststellung der Unterrichtserfolge durch jährliche Klassenprüfungen, öffentliche Auftritte und ein abschließendes ‚Zöglingskonzert’; die Aneignung theoretischer Fachkenntnisse galt als obligatorisch für ‚gebildete’ MusikerInnen. Die von der Statthalterei angeregte Einsetzung einer eigenen Prüfungskommission in Graz für MusiklehrerInnen an öffentlichen Schulen sowie für PrivatmusikerzieherInnen kam nicht zustande. Der Unterricht, der erst nach einer vierwöchigen positiven Probezeit begonnen werden konnte, wurde auf 6 Jahre festgelegt und war ab 1869 erstmals kostenpflichtig. 1870 wurde der erste Lehrer für Harmonielehre und Komposition angestellt: Ferdinand Heinrich Thieriot, einer der angesehensten Hamburger Komponisten, Cellisten und Klavierlehrer, der daneben auch die ausgeschriebene Funktion des artistischen Direktors des Vereins übertragen bekam.
Und als am Ende des Schuljahres 1876 das 60jährige Bestehen der Vereinsschulen gefeiert wurde, war die SchülerInnenzahl auf 267 angestiegen; die Hälfte der Gesamteinnahmen des Musikvereins ging bereits für die Vereins-Musikschule auf.

Die Schulreferenten der Folgezeit, der Grazer Musikwissenschafter Friedrich von Hausegger und der Komponist Erich Wolfgang Degner, ein erfahrener Musikpädagoge aus Deutschland - später Direktor der Weimarer Musikschule (heute: Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Weimar) - erweiterten durch eine Reihe von Reformen das Studienangebot: Im März 1888 wurde mit Carl Osske aus Weimar die erste Klavierschule eröffnet (wegen des großen Andranges im Wintersemester 1888/89 erweitert auf fünf Schulen, an denen neben dem Liszt-Schüler Karl Pohlig vier Ausbildungslehrerinnen - Amalia Deutsch, Marianne Augustin, Amelie von Kirchsberg und Sophie von Schmid-Schmidfelden – unterrichteten); weiters wurden eine Dirigentenschule, Orgelspiel und Posaune in den Lehrplan aufgenommen und  der theoretische Unterricht ausgebaut. Das erweiterte Unterrichtsangebot ermöglichte in der Folge die Bildung eines eigenen SchülerInnenorchesters, das in der Lage war, große symphonische Werke öffentlich zur Aufführung zu bringen. Erstmals konnten BerufsmusikerInnen Fortbildungskurse an der Vereinsmusikschule besuchen. Nicht weiter verfolgt wurde der 1884 bis 1886 ausgearbeitete Statutenentwurf des Musikvereinspräsidenten Dr. Ferdinand Bischoff mit dem Ziel, in Graz eine „Deutsche Akademie für Musik“ zu schaffen.

In der Zwischenzeit stand dem Musikverein seit dem Schuljahr 1889/1890 ein vereinseigenes Haus mit Probensaal zur Verfügung: Die Steiermärkische Sparkasse hatte das Haus des ehemaligen zweiten Staatsgymnasiums in der Griesgasse 26 gekauft und für die Zwecke des Musikvereins adaptieren lassen; das Gymnasium übersiedelte damals in einen Neubau in der Lichtenfelsgasse. Vorher war die Musikvereinsdirektion in der Burggasse 9, im Palais Dietrichstein (bekannt auch als „Fraideneg’sches Haus“) eingemietet, in dessen Prunksaal Übungen abgehalten werden konnten; Konzerte fanden im Redoutensaal des Schauspielhauses und im Rittersaal des Landhauses  statt. Seit 1885 stand dem Musikverein für Steiermark und seiner Vereinsmusikschule der neu erbaute Konzertsaal der Steiermärkischen Sparkasse, der Grazer Stefaniensaal, für öffentliche Veranstaltungen zur Verfügung.

Um die Jahrhundertwende stieg die Anzahl der SchülerInnen kontinuierlich an (weit über 400); sie kamen nicht nur aus Frankreich oder Russland, der gute Ruf der Grazer Musikvereinsschule reichte bis in die Türkei, nach Ägypten oder Amerika, wie der Statistik der Landesangehörigkeit der SchülerInnen in den Schulberichten zu entnehmen ist. Die hier ausgebildete, aus der Steiermark stammende spätere Hofopernsängerin und Gesangspädagogin Amalie Materna etwa wurde nicht nur von Richard Wagner für Bayreuth entdeckt, wo sie die erste ‚Brünnhilde’ und die erste ‚Kundry’ darstellte, sie sang 1884 und 1885 auch an der MET in New York.
Kontinuierlich gefördert wurde auch die Mobilität der heimischen VereinsschülerInnen: Der gebürtige Grazer Komponist Heinrich von Herzogenberg, Kompositionslehrer an der Hochschule für Musik in Berlin, richtete 1901 ein Stipendium für weiterführende Violinstudien in Berlin ein; bereits zuvor - 1873 - wurde durch eine finanzielle Zuwendung aus dem Erbe des ehemaligen Vereinsschülers und Violin-Virtuosen Louis Eller ein Fonds gebildet, dessen Erträge ebenfalls für weiterführende Violin-Studien an auswärtigen Musikschulen bestimmt waren. In den Genuss dieses Stipendiums kam 1879 auch die Vereinsschülerin Marie Soldat-Roeger, die - auf Empfehlung von Johannes Brahms - bei Joseph Joachim, Direktor der Königlichen Hochschule für Musik in Berlin,  weiterstudieren konnte; die Grazer Violinvirtuosin machte sehr bald in der Öffentlichkeit auf sich aufmerksam, insbesondere auch mit ihrem 1887 gegründeten Damen-Streichquartett.

Durch das Reformwerk Erich Degners gelang die Umwandlung der Vereinsmusikschule in eine der Zeit entsprechende, renommierte höhere Ausbildungsstätte für BerufsmusikerInnen.

Musikvereinsdirektor Roderich von Mojsisovics setzte zwischen 1911 und 1931 die erfolgreiche Aufbauarbeit seines Kompositionslehrers Erich Degner fort: Errichtung eines Seminars für Musiktheorie sowie einer neuen Klasse für Komposition. In der Pflege der steirischen Musikgeschichte sah er eine dem Vereinszweck entsprechende Verpflichtung: Er hielt Vorlesungen zu diesem Thema und regte Publikationen aus den Forschungsergebnissen in den Musiktheorieseminaren an. Größten Wert legte er - wie auch seine Vorgänger - auf die Berufung ausgezeichneter LehrerInnen und KünstlerInnen: 1912 wurde der damals bereits weltbekannte Konzertpianist Hugo Kroemer vom Konservatorium in Danzig an die Grazer Musikvereinsschule berufen, an der seit dem Schuljahr 1893/94 auch  der international erfahrene Konzertgeiger Karl Krehahn unterrichtete.

Während der Direktion Mojsisovics waren somit die nötigen Voraussetzungen geschaffen, dass die Steiermärkische Landesregierung mit Erlass vom 11. April 1920 die Vereins-Musikschule berechtigte, den Titel ‚Konservatorium’ zu führen.

In der Organisation der das Studium abschließenden Prüfungen wurde 1923/24 eine grundsätzliche Änderung herbeigeführt: Prüfungen zur Befähigung zum Lehrberuf einer bestimmten Stufe wurden getrennt von den Prüfungen künstlerischer Reife über die Fähigkeit, sich konzertierend, komponierend oder dirigierend öffentlich zu betätigen. Neu eingerichtet wurde im Studienjahr 1925/26 ein zweijähriger Lehrgang zur Heranbildung katholischer Kirchenorganisten und Chordirigenten, eine zweijährige Opernchorschule für BerufschorsängerInnen, ein zweijähriger Gegenstand ‚Gehörbildungslehre’ und ein Vorbereitungslehrgang - „zeit- und zweckentsprechend“, wie dem Schulbericht von 1925/26 zu entnehmen ist. Im Rahmen der Opernchorschule fand im Studienjahr 1926/27 die ersten Opernaufführung statt: OpernchorsängerInnen traten mit Solopartien öffentlich auf - ansatzweise war die von Direktor Mojsisovics bereits seit 1911 geforderte Opernschule somit geglückt.

Um diese Zeit besuchten fast 600 Studierende das Grazer Musikvereinskonservatorium, das damals als musikalisch-pädagogische Ausbildungsstätte auch die Konzerttätigkeit des Vereins zu übernehmen begann. Im Ausbau des Konservatoriums sah der Musikverein seine Hauptaufgabe; er konnte dieser Aufgabe trotz der Inflationszeit dank finanzieller Unterstützungen - insbesondere auch durch ehemalige Vereinsschüler, wie etwa den seit 1907 in den USA als Pädagogen tätigen Violinvirtuosen Hugo Kortschak - erfolgreich nachkommen.

Im Jahre 1934 wurde das Vereins-Konservatorium mit Erlass des Bundesministeriums für Unterricht zunächst für ein und dann für fünf Jahre mit dem Öffentlichkeitsrecht ausgestattet: Die Reifeprüfung der Privatschule wurde als staatliche Prüfung anerkannt (1938 - wie allen Privatschulen - wieder aberkannt). Neben der Berufsausbildung wurde dem Vereins-Konservatorium 1936 von der Steiermärkischen Landesregierung auch die Verantwortung für die gesamte Laien-Musikerziehung in der Steiermark übertragen. Konservatoriumsdirektor war damals Hermann von Schmeidel (1933 bis 1945), der die Musikerziehung in der Steiermark nach dem Vorbild Deutschlands umzuorganisieren begann.


Die Landesmusikschule, das Landeskonservatorium (1939-1963)

Mit Wirkung vom 1. April 1939 wurde das Konservatorium vom Musikverein abgetrennt und als „Steirische Landesmusikschule Graz“ in die öffentliche Verwaltung des Landes Steiermark übernommen. Die Landesmusikschule sollte der Ausbildung von BerufsmusikerInnen dienen (Gliederung in fünf Abteilungen: Orchester-, Instrumental-, Gesangs-, Opern- und Dirigentenschule), und die im Wintersemester 1939/40 eröffnete Staatliche Hochschule für Musikerziehung in Graz-Eggenberg der Ausbildung von MusiklehrerInnen an höheren Lehranstalten (‚Institut für Schulmusik’) sowie an Musikschulen und für den Privatmusikunterricht (‚Seminar für Lehrer und Leiter an Musikschulen für Jugend und Volk und für Privatmusikerzieher’). Daneben wurde für Volks- und JugendmusikleiterInnen ein viersemestriger Lehrgang eingerichtet. Die am 15. Oktober 1938 in Graz eröffnete Musikschule für Jugend und Volk übernahm die elementare Musikausbildung der Jugend; sie wurde 1940 aus Kostengründen der Landesmusikschule angegliedert (Volks-Musikschule Graz).

Der Musikverein für Steiermark fungierte ab 1939/40 nur mehr als Konzertbüro.

Nach 1945 wurde durch Entschluss der Steiermärkischen Landesregierung die Steirische Landesmusikschule als „Steiermärkisches Landeskonservatorium mit der Volks-Musikschule Graz“ mit öffentlichen Mitteln weitergeführt, die Staatliche Hochschule in Eggenberg aufgelöst. Günther Eisel, Absolvent des ehemaligen Vereinskonservatoriums, wurde erster Direktor des Steiermärkischen Landeskonservatoriums, und dem Direktor der Städtischen Musikschule in Kapfenberg, Erich Marckhl, übertrug die Steiermärkische Landesregierung 1948 das am Landeskonservatorium eingerichtete ‚kleine’ Seminar für Musikerziehung. Marckhls erster Versuch, 1951 einen Voll-Lehrgang für Schulmusik einzurichten, fand keine Zustimmung; 1953 wurden schließlich drei Jahrgänge am Grazer Konservatorium genehmigt, der abschließende vierte Jahrgang musste an der Wiener Akademie absolviert werden. Weiterhin erfolgreich entwickelte sich die Opernschule (Operndramatische Klasse), seit 1938 unter der Leitung von Franz Mixa, der von 1952 bis 1957 auch Direktor des Landeskonservatoriums war. Die vielfach ausgezeichnete Opernsängerin und Musikpädagogin, Frau Kammersängerin Hertha Töpper ist eine der bekanntesten Entdeckungen dieser Opernschule von Franz Mixa.

Zu Beginn des Schuljahres 1958/59 erhielt das Steiermärkische Landeskonservatorium mit Erlass der Steiermärkischen Landesregierung vom 28. April 1958 ein Schulstatut (GZ. 6-372/I St 12/2-57), dessen Satzungen und Studienordnung im Wesentlichen den allgemeinen Bestimmungen einer Musikhochschule entsprachen: Gesamtleitung durch einen Direktor, Gliederung in Fachgruppen mit gewählten Vorständen, Mitbestimmung der Ausbildungs-LehrerInnen in der LehrerInnenkonferenz, Erarbeitung neuer Lehrpläne durch die Fachgruppen, geregeltes Prüfungswesen. Die Aufgabe des Konservatoriums - der so genannten „Ausbildungsschule“ - bestand in der beruflichen Aus- und Fortbildung von MusikerInnen und MusikerzieherInnen in den einzelnen Fachgruppen; die Aufgabe der Volksmusikschule Graz bestand in der elementaren und vorbereitenden Ausbildung, der Musikpflege der Jugend und Laien. Entsprechend den Besonderheiten der damaligen österreichischen Kunstschulgesetzgebung war das Landesinstitut Privatschule mit Öffentlichkeitsrecht.
Der letzte bedeutende Schritt zur Erhebung des Steiermärkischen Landeskonservatoriums zu einer staatlichen Akademie vollzog sich mit der Genehmigung eines Voll-Lehrganges der Schulmusik am Konservatorium sowie einer bundesstaatlichen Prüfungskommission für das Lehramt Musik an Mittelschulen und Lehrerbildungsanstalten an der Universität Graz (stv. Vorsitzender: Erich Marckhl) durch das Bundesministerium am 29. Mai 1961 (Zl. 62.606-5/61): Das Studium für das Lehramt Musik erfolgte damals in Verbindung mit einem Lehramtsstudium an der Karl-Franzens-Universität in Graz.  


Die Akademie / Hochschule/ Universität für Musik und darstellende Kunst Graz  (ab 1963)

Am 1. Juni 1963 erfolgte die so genannte „Verbundlichung“: Das Konservatorium des Landes Steiermark wurde – ohne die Volksmusikschule Graz - zu einer staatlichen Einrichtung des Bundes - zur „Akademie für Musik und darstellende Kunst in Graz“ (KunstakademiegesetzNovelle 1962, BGBl. 190 vom 5. Juli 1962). Das Organisationsstatut der Grazer Akademie trat im November 1964 in Kraft. Erster Präsident war Erich Marckhl. Im so genannten „Akademievertrag“ vom 1. Juni 1963, abgeschlossen zwischen dem Bund und dem Land Steiermark, wurde das ehemalige Stadtpalais von Erzherzog Johann, das Palais Meran in der Leonhardstrasse 15 (ohne Nebengebäude!), als künftige Hauptadresse in Aussicht gestellt und die Finanzierung geregelt. Bis zur endgültigen Übersiedelung in das Palais Meran - im Studienjahr 1970/71 - blieben Präsidium und Studienbetrieb im Gebäude des ehemaligen Landeskonservatoriums in der Nikolaigasse 2 (zuvor Griesgasse 26).

Die Volksmusikschule Graz wurde als Landesmusikschule weitergeführt und entwickelte sich zum Johann-Joseph-Fux-Konservatorium, Graz Nikolaigasse 2.

Durch das Kunsthochschulorganisationsgesetz 1970 wurde die Akademie in die Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz umgewandelt. Die bis dahin gültige Präsidialverfassung ohne einen bestimmten Bereich der Selbstverwaltung und ohne gewählte akademische Behörde wurde abgelöst durch die an Universitäten geltende Rektoratsverfassung. Wirksam wurde diese am 18. Mai 1971 durch die Wahl von Friedrich Korcak zum ersten Rektor der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz.
Auf Friedrich Korcak folgte - nach einmaliger Wiederwahl der vierjährigen Funktionsperiode –1979 Rektor Otto Kolleritsch (bis 1987),  der nach der Amtszeit von Rektor Sebastian Benda (1987-1991) abermals und wiederholt zum Rektor gewählt wurde (bis 2007).

Seit dem 1983 in Kraft getretenen Kunsthochschulstudiengesetz hat die Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz das Sponsionsrecht für den Abschluss aller ordentlichen Studien. Sie verleiht den Titel „Magister bzw. Magistra artium“. Vorher war die Hochschule seit 1974 dazu nur für die AbsolventInnen der Studienrichtung „Musikerziehung“ und „Instrumentalmusikerziehung“ für das Lehramt an höheren Schulen ermächtigt.

Mit 15. Jänner 1986 trat der Studienplan zur Erwerbung des Doktorates der Philosophie (Dr.phil.) bzw. der Naturwissenschaften (Dr.rer.nat.) in Kraft. Dieser Studienplan wurde von einer interuniversitären Studienkommission der Universität Graz (geisteswissenschaftliche und naturwissenschaftliche Fakultät) und der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz beschlossen. Damit erfolgte auch die Aktivierung des im Kunsthochschulstudiengesetz 1983 grundgelegten Promotionsrechtes.

Am 21. Juni 1991 fand die erste feierliche Promotion an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz statt.

Mit dem Beginn des Studienjahres 1998/99 wurden die sechs österreichischen Kunsthochschulen in Universitäten umbenannt. Die „Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz“ heißt seit dem Inkrafttreten des Bundesgesetzes über die Organisation der Universitäten der Künste (KUOG ’98 - Kunstuniversitätsorganisationsgesetz) am 1. Oktober 1998 „Universität für Musik und darstellende Kunst Graz“, abgekürzt „KUG“ - Kunstuniversität Graz. Die Universitätswerdung wurde mit einem Fest „Abschied in die Universität“ am 30. September 1998 feierlich begangen.

Als Folge der Universitätsreformen 1993 (UOG ’93 für die wissenschaftlichen Universitäten) und 1998 (KUOG ’98 für die künstlerischen Universitäten) kann jede Universität in Österreich aus Ihrer Autonomie heraus ihre eigene Satzung erlassen: das an der Kunstuniversität Graz am 22. Juni 1999 konstituierte oberste Kollegialorgan, das Universitätskollegium, hat im Studienjahr 1999/2000 durch die von ihm beschlossene Satzung die inhaltliche und organisatorische Neugliederung der Kunstuniversität Graz festgelegt. Die Zahl der Mitglieder dieses Universitätskollegiums – 18 Vertreter der ProfessorInnenkurie, 9 Vertreter der Mittelbaukurie, 9 StudentenInnenvertreter und erstmals 2 VertreterInnen der Verwaltungskurie - wurde vom „alten“ Gesamtkollegium der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz am 9. März 1999 beschlossen. Im Laufe des Studienjahres 1999/2000 wurden auf der Grundlage dieser Satzung die 17 neuen Institutskonferenzen und die 11 Studienkommissionen gewählt und konstituiert. Am 7. Juni 2000 wurde O.Univ.Prof. Dr. Otto Kolleritsch als einziger vom Universitätskollegium der Universitätsversammlung vorgeschlagener Kandidat zum ersten Rektor nach KUOG für eine vierjährige Funktionsperiode gewählt. Das KUOG 1998 wurde mit 1. Oktober 2000 wirksam.

Mit dem KUOG wurde die Möglichkeit geschaffen, sich auch an Kunstuniversitäten zu habilitieren. Das erste künstlerische Habilitationsverfahren Österreichs wurde im Jahre 2002 an der KUG abgeschlossen. Durch eine Novellierung des Universitäts-Studiengesetzes erfolgte ab 1. August 1998 die Eingliederung aller künstlerischen Studien in das Studienrecht der Universitäten, nachdem sich das 1983 erlassene Kunsthochschul-Studiengesetz bereits in sehr hohem Maße am allgemeinen Universitätsstudiengesetz orientiert hatte. Neu für die Kunstuniversitäten sind die Studienzeitverkürzung (in der Regel von 16 auf 12 Semester Mindestdauer), die Zusammenführung von Studienrichtungen und eine stärkere Vernetzung von künstlerischen und pädagogischen Studien.

Für die interuniversitären Studien (das Doktoratsstudium der Philosophie und der Naturwissenschaften, das Diplomstudium Elektrotechnik-Toningenieur) sowie für das Diplomstudium Musikerziehung und Instrumentalmusikerziehung wurden die Studienpläne gemäß UniStG mit 1. Oktober 2001 genehmigt. Die Studienpläne für die Bakkalaureats- und Magisterstudien Dirigieren, Katholische und Evangelische Kirchenmusik, Komposition und Musiktheorie sowie für das Diplomstudium Bühnengestaltung folgten mit 1. Oktober 2002, die Studienpläne für die Bakkalaureats- und Magisterstudien Instrumental, Instrumental(Gesangs)Pädagogik, Jazz und Gesang sowie für das Diplomstudium Darstellende Kunst mit 1. Oktober 2003. Am 1. Oktober 2006 traten die Studienpläne für das interuniversitäre Bakkalaureats- und Magisterstudium Musikologie in Kraft.  Im Juni 2007 konstituierte sich die Studienrichtungsarbeitsgruppe für das neu einzurichtende Doktoratsstudium der Künste (Dr. artium).

Am 1. Oktober 2002 trat das Bundesgesetz über die Organisation der Universitäten und ihre Studien (Universitätsgesetz 2002 - UG 2002), ausgenommen der studienrechtliche Teil, in Kraft, voll wirksam wurde das UG 2002 an den österreichischen Universitäten und Kunstuniversitäten am 1. Jänner 2004. Mit letztgenanntem Datum trat auch der studienrechtliche Teil in Kraft. Mit dem UG 2002 wurden die Universitäten juristische Personen des öffentlichen Rechts mit voller Rechtsfähigkeit. Das UG 2002 brachte eine völlige Neuregelung des Organisations-, Studien- und Personalrechts sowie der Budgetverantwortung. Die Leitungsorgane gemäß UG 2002 sind der Universitätsrat, das Rektorat, die Rektorin oder der Rektor und der Senat. Am 20. März 2003 konstituierte sich der aus fünf Mitgliedern bestehende Universitätsrat der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz unter dem Vorsitz von Ao.Univ.Prof. Dr. Willibald Plessas;  weitere Mitgliedern für die fünfjährige Funktionsperiode: Prof. Dr. Dieter Glawischnig, Hans Martschin, Mag. Katharina Cortolezis-Schlager (2006 abgelöst von DDr. Reingard Rauch).

Als erster Rektor nach dem UG 2002 wurde am 9. Mai 2003 em.O.Univ.Prof. Dr. Otto Kolleritsch gewählt. Das neue Rektorat der KUG, bestehend aus dem Rektor und drei Vizerektoren (Hofrat Dr. Hermann Becke, Ao.Univ.Prof. Dr. Renate Bozic und Ao.Univ.Prof. Mag. Mag. Dr. Georg Schulz), trat am 1. Oktober 2003 sein Amt an. Die Funktionsperiode beträgt vier Jahre. Die Wahlen in den Senat erfolgten im Oktober 2003, die Wahlen in die gemäß UG 2002 einzurichtende Studienkommission im November 2003. Auch die gemäß UG 2002 zu erlassende neue Satzung wurde im Dezember 2003 beschlossen und trat mit  1. Jänner 2004 in Kraft. Im Mai 2004 löste der endgültige neue Organisationsplan der KUG den seit Jänner 2004 gültigen provisorischen Organisationsplan ab. Im Oktober 2006 wurde der Senat neu gewählt. Seine neue dreijährige Funktionsperiode begann im November 2006, ebenso die dreijährige Funktionsperiode der neu gewählten Studienkommission.

Am 10. März 2007 wählte der Universitätsrat der KUG Herrn Ao.Univ.Prof. Mag. Mag. Dr. Georg Schulz zum Rektor für die nächste vierjährige Amtsperiode (1. Oktober 2007 bis 30. September 2011). Zur neuen Vizerektorin bzw. zu neuen Vizerektoren wurden vom Universitätsrat am 21. Mai 2007 Frau Mag. Doris Carstensen (Vizerektorin für Qualitätsmanagement, Personalentwicklung, Gender Mainstreaming), Herr O.Univ.Prof. Dipl.Ing. Mag. Dr. Robert Höldrich (Vizerektor für Kunst und Wissenschaft), Herr Univ.Prof. Mag. Eike Straub (Vizerektor für Lehre) gewählt. Am 20. März 2008 begann die fünfjährige Funktionsperiode des neu gewählten Universitätsrates der KUG, der in seiner konstituierenden Sitzung vom 22. April 2008 Frau DDr. Reingard Rauch zur Vorsitzenden wählte; weitere Mitglieder: Dr. Georg Casper, tit.Univ.Prof. Dr. Manfred Straka, Mag. Ute Riedler-Lindthaler und O.Univ.Prof. Erwin Ortner, von 1996 bis 2002 Rektor der nunmehrigen Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.

Die rege Bautätigkeit der vergangenen Jahrzehnte findet im August 2008 einen vorläufigen Abschluss und zugleich Höhepunkt: Das Haus für Musik und Musiktheater in der Lichtenfelsgasse, kurz: MUMUTH, wird nach zweieinhalbjähriger Bauzeit (Spatenstich: 7. März 2006) der KUG als Ausbildungshaus übergeben; die feierliche Eröffnung ist für den 1. März 2009 mit Mozarts ‚Zauberflöte’ und einem ‚Fest für Otto Kolleritsch’ geplant. Seit dem ersten Studienjahr 1963/64 steht in der Raumbedarfsplanung die Forderung nach einem Ausbildungshaus mit den entsprechenden ‚Konzertsälen’ – wie man es damals formulierte – an erster Stelle und beschäftigte alle bisherigen Leiter, angefangen vom Gründungspräsidenten Erich Marckhl (1963-1971) bis zum Langzeitrektor Otto Kolleritsch (1979-1987, 1991-2007) im Besonderen. Dem ersten Rektor Friedrich Korcak gelang im Jahre 1976 der Erwerb einer dem Haupthaus Palais Meran benachbarten Liegenschaft in der Brandhofgasse zur Errichtung eines Ausbildungshauses: Der erste so genannte „Neubau“, geplant vom Wiener Architekten Klaus Musil, wurde 1993 eröffnet (Neubau II, Universitätsbibliothek, fertig gestellt im Jahre 2000) - für die erforderlichen Säle konnte bis dahin kein geeigneter Standort gefunden werden. Mit der Übernahme und dem Umbau des zum Palais Meran gehörenden ehemaligen Stallgebäudes zum so genannten ‚Theater im Palais’, kurz: T.i.P., gelang Rektor Otto Kolleritsch 1986 eine vorläufige Überbrückung.
Dem Engagement von Rektor Otto Kolleritsch ist es zu verdanken, dass schließlich im Areal des ehemaligen Palais Meran – an der Stelle eines 1957 erbauten Finanzgebäudes in der Lichtenfelsgasse - jener Erweiterungsbau zur Durchführung kam, der für das erforderliche In-die-Öffentlichkeit-Treten der KUG-Studierenden die seit Jahrzehnten geforderten räumlichen Voraussetzungen schafft: Das MUMUTH, der Entwurf des holländischen Architekten Ben van Berkel wurde 1998 im Rahmen eines internationalen Wettbewerbes als Siegerprojekt ausgewählt
Seit dem Jahre 2007 ergänzt die ehemalige Reiterkaserne in der Leonhardstrasse 82 – in unmittelbarer Nähe des Haupthauses Palais Meran, Leonhardstrasse 15, den Universitätscampus.

In Oberschützen, im südlichen Burgenland, wurde im Jahre 1965 unter Präsident Erich Marckhl eine Expositur der damaligen Akademie für Musik und darstellende Kunst in Graz errichtet. Die Expositur Oberschützen mit eigener Leitung, Studien- und Prüfungsabteilung und Bibliothek ist gemeinsam mit dem Kulturzentrum Oberschützen in dem 1984 errichteten Kultur- und Hochschulzentrum Oberschützen untergebracht. Diese Expositur ist seit dem Inkrafttreten des KUOG 1998 als eigenes Institut - Institut 12, Oberschützen - in die neue Organisationsstruktur eingebunden.