Die Geschichte der Kunstuniversität Graz

Von der Sing- zur Hochschule

Im Jahre 1815 wurde in Graz der heutige Musikverein für Steiermark als „Akademischer Musikverein“ gegründet. 1816 gab der Verein bekannt, eine eigene Singschule zu eröffnen: Die Singschule des „Akademischen Musikvereins“ in Graz nahm den Unterricht auf – und somit gilt diese Singschule als das älteste Musikinstitut Österreichs und als Keimzelle der heutigen Universität für Musik und darstellenden Kunst Graz (KUG). Die Annahme des Protektorats über den Musikverein durch Erzherzog Johann, eines Bruders des damaligen Habsburger-Kaisers Franz I., im Jahre 1819 unterstrich die gesellschaftliche und pädagogische Bedeutung dieses bürgerlichen Vereines und trug während des 40-jährigen Protektorates wesentlich zur Entwicklung der Vereinsschule bei, sodass die Anzahl der Schüler_innen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts kontinuierlich auf weit über 400 anstieg, darunter Musiker_innen aus der Türkei, Russland, Frankreich, Ägypten oder Amerika.

Ab 1920 war die Vereinsmusikschule berechtigt den Titel „Konservatorium“ zu führen.

Mit Wirkung vom 1. April 1939 wurde das Konservatorium vom Musikverein abgetrennt und als „Steirische Landesmusikschule Graz“ in die öffentliche Verwaltung des Landes Steiermark übernommen. Die Landesmusikschule sollte der Ausbildung von Berufsmusiker_innen dienen, während die im Wintersemester 1939/40 eröffnete Staatliche Hochschule für Musikerziehung in Graz-Eggenberg der Ausbildung von Lehrkräften des Fachs Musik an höheren Lehranstalten sowie an Musikschulen und für den Privatmusikunterricht übernahm. Daneben wurde für Volks- und Jugendmusikleiter_innen ein viersemestriger Lehrgang eingerichtet.

Nach 1945 wurde die Steirische Landesmusikschule als „Steiermärkisches Landeskonservatorium mit der Volks-Musikschule Graz“ mit öffentlichen Mitteln weitergeführt, die Staatliche Hochschule in Eggenberg aufgelöst. Die Aufgabe des Konservatoriums – der so genannten „Ausbildungsschule“ – bestand in der beruflichen Aus- und Fortbildung von Musikschaffenden und musikpädagogischen Fachkräften in den einzelnen Fachgruppen.

Im engeren Sinne betrachtet, ist die Grazer Kunstuniversität eine vergleichsweise junge Institution: Mit einer Novelle zum Kunstakademiegesetz (BGBl. vom 17. Juli 1962) wurde das Steiermärkische Landeskonservatorium am 1. Juni 1963 zu einer Bundeseinrichtung – zur „Akademie für Musik und darstellende Kunst in Graz“ – und damit zu einer der vier Kunstakademien Österreichs, erster Präsident war Erich Marckhl. (Im Rahmen umfassender Aktivitäten zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der Institutionsgeschichte während und in Verbindung mit der NS-Zeit wurde mehrfach Marckhls Rolle in der NS-Musikausbildung untersucht. Siehe z.B. das vom Jubiläumsfond der Österreichischen Nationalbank geförderte Projekt des Universitätsarchivs.)

Durch das Kunsthochschulorganisationsgesetz 1970 wurde die Akademie in die Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz umgewandelt, als deren erster Rektor Friedrich Korčak am 18. Mai 1971 gewählt wurde. Auf ihn folgte 1979 Otto Kolleritsch (bis 1987), der nach einer Amtszeit von Sebastian Benda (1987-1991) abermals und wiederholt zum Rektor gewählt wurde (bis 2007).

Seit dem 1983 in Kraft getretenen Kunsthochschulstudiengesetz hat die Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz das Sponsionsrecht für den Abschluss aller ordentlichen Studien, seit 1986 auch das Promotionsrecht.

Die Universität

Mit dem Beginn des Studienjahres 1998/99 wurden die sechs österreichischen Kunsthochschulen zu  Universitäten.

Als erster Rektor nach dem Universitätsgesetz 2002 wurde am 9. Mai 2003 Otto Kolleritsch gewählt, seine Vizerektor_innen waren Hermann Becke (Ressourcenmanagement und Infrastruktur), Renate Bozic (Personalentwicklung und Frauenförderung) und Georg Schulz (Lehre). Eines der herausragenden und nachhaltigen Ergebnisse dieser Amtszeit war die Planung und politische Durchsetzung des Hauses für Musik und Musiktheater (MUMUTH).

Ihm folgte von 2007 bis 2011 Georg Schulz mit den Vizerektor_innen Doris Carstensen (Qualitätsmanagement, Personalentwicklung und Gender Mainstreaming), Robert Höldrich (Kunst und Wissenschaft) und Eike Straub (Lehre). Mit dem vom Rektorat Schulz 2009 installierten „Dr.artium“-Programm war die KUG die erste Institution im deutschsprachigen Raum, die eine künstlerische Promotion anbot. Des Weiteren wurde im selben Jahr das Zentrum für Genderforschung ins Leben gerufen, und erstmals erhielt in der Geschichte der österreichischen Musikuniversitäten ein Ensemble – das Klangforum Wien –  eine Professur (Performance Practice in Contemporary Music).

Einsprüche rund um die Wiederwahl von Georg Schulz im Jahr 2011 bedingten eine Interimsperiode von Oktober 2011 bis Ende Februar 2012 unter Robert Höldrich als geschäftsführendem Vizerektor gemeinsam mit Eike Straub als Vizerektor für Lehre. Von März 2012 bis 12.12.2012 amtierte Georg Schulz als Rektor mit den Vizerektor_innen Robert Höldrich (Forschung) Elisabeth von Magnus (Kunst), Barbara Simandl (Finanzen und Infrastruktur) und Eike Straub (Lehre). Nach dem Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofs zum Wahlverfahren der Rektorin/des Rektors wurde die Universität bis zur Besetzung der Funktion der Rektorin/des Rektors interimistisch wiederum von Robert Höldrich als geschäftsführendem Vizerektor mit den oben genannten Vizerektor_innen aus dem Rektorat Schulz, die im Amt verblieben, geleitet. In diese Zeit fiel das 50 Jahr-Jubiläum der sogenannten Verbundlichung (Akademiewerdung), die Einführung von Studien für Computermusik und Sound Design (in Kooperation mit der FH Joanneum) und eine bedeutende Erweiterung der technischen- und Instrumenteninfrastruktur.

Mit dem Studienjahr 2014/15 trat mit Elisabeth Freismuth erstmals eine Frau das Amt der Rektorin der KUG an, ihre Vizerektor_innen waren Barbara Boisits (Forschung), Elisabeth von Magnus (Kunst), Barbara Simandl (Ressourcen) und Eike Straub (Lehre). Das Rektorat Freismuth machte sich verdient um die Außenwirkung der KUG und stellte das 200-Jahr-Jubiläum in den Fokus der Aufmerksamkeit.

Als Folge von Beschwerden rund um die nicht erfolgte Wiederwahl von Elisabeth Freismuth musste 2018 wiederum ein Interimsrektorat bestellt werden. Eike Straub fungierte als geschäftsführender Vizerektor, begleitet von den Vizerektorinnen Barbara Boisits (Forschung, bis 31.12.2018), Elisabeth von Magnus (Kunst), Barbara Simandl (Ressourcen). Um der Universität eine zeitgemäße Verwaltungsstruktur zu geben, wurde eine Organisationsreform entwickelt und mit Ende 2019 implementiert.

Mit Beginn des Sommersemesters 2020 trat erneut Georg Schulz das Rektorsamt an. Sein Team besteht aus Vizerektor Gerd Grupe (Forschung und Qualitätsmanagement) und den Vizerektorinnen Barbara Simandl (Finanzen und Personaladministration), Constanze Wimmer (Lehre und Internationales) sowie Maria Zeichen-Ziegler (Infrastruktur, Gender und Diversität). Georg Schulz übernimmt neben den gesetzlichen Aufgaben als Rektor u.a. den Bereich Kunst.

Aktuell (Wintersemester 2020) studieren an der Kunstuniversität Graz rund 2.200 Studierende aus 69 Nationen an 17 Instituten, einem Zentrum für Genderforschung, sowie einer künstlerischen und einer künstlerisch-wissenschaftlichen Doktoratsschule. Mit jährlich mehr als 1700 Veranstaltungen, die den Studierenden eine praxisevaluierte Ausbildung ermöglichen, ist die KUG die größte Kulturveranstalterin der Steiermark.

Weitere Informationen zur Kunstuniversität und ihrer Geschichte finden Sie auf ihrer Website www.kug.ac.at