Von der Akademie zur Universität. KUG-Zeittafel

Akademie

1963 | Erhebung des Steiermärkischen Landeskonservatoriums zur Akademie für Musik und darstellende Kunst in Graz
Die Vorgeschichte der heutigen Kunstuniversität Graz reicht bis ins Gründungsjahr der Schule des Steiermärkischen Musikvereins 1816 zurück. Diese durfte ab 1920 die Bezeichnung „Konservatorium“ führen. Im engeren Sinne betrachtet, ist die Grazer Kunstuniversität allerdings eine vergleichsweise junge Institution: Mit einer Novelle zum Kunstakademiegesetz (BGBl. vom 17. Juli 1962) wurde das „Steiermärkische Landeskonservatorium in Graz“ am 1. Juni 1963 zu einer Bundeseinrichtung – zur „Akademie für Musik und darstellende Kunst in Graz“ – und damit zu einer der vier Kunstakademien Österreichs.

Erich Marckhl, seit 1957 Leiter des Konservatoriums, fungierte als Gründungspräsident der Akademie. (Im Rahmen umfassender Aktivitäten zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der Institutionsgeschichte während und in Verbindung mit der NS-Zeit wurde mehrfach Marckhls Rolle in der NS-Musikausbildung untersucht. Siehe z.B. das vom Jubiläumsfond der Österreichischen Nationalbank geförderte Projekt des Universitätsarchivs.)

Das Palais Meran, 1845 bis 1939 von Erzherzog Johann und seinen Erben bewohnt, ist seit 1963 zentraler Sitz der Universität.

Neben den Abteilungen für Musiktheorie, Tasteninstrumente, Streichinstrumente, Gitarre und Harfe, Blasinstrumente und Schlaginstrumente, Musikerziehung, Kirchenmusik, Sologesang, Chorwesen, Orchesterleitung und Korrepetition und Darstellende Kunst, bildeten das Institut für (praktische) Musikfolklore und Archiv für das steirische Musikschulwerk die Grundstruktur der Akademie. Die 17 künstlerischen und wissenschaftlichen Institute der heutigen Grazer Kunstuniversität basieren, wenn auch zum Teil mit geänderten Namen, auf dieser Organisationsstruktur der Akademie.

1964 | Gründung des Instituts für Musikfolklore und des Archivs für das steirische Musikschulwerk
Die wissenschaftlichen Institute der Akademie hatten primär die Aufgabe der Forschung. Sie waren selbständige, von den künstlerischen Abteilungen unabhängige Einrichtungen.

Das Institut für Musikfolklore und Archiv für das steirische Musikschulwerk – seit 2009 Institut für Ethnomusikologie – ist das älteste der insgesamt fünf Institute. Es wurde von Walter Wünsch gegründet und geleitet. Gegenstand der Forschung sind laut Mission Statement „Tradition und Moderne der Musikkulturen der Welt“. Im Archiv für das steirische Musikschulwerk, welches an das Institut angeschlossen war, wurden alle wesentlichen Dokumente (auch Klangdokumente) aus der musikerzieherischen, künstlerischen und volksbildnerischen Tätigkeit der Musikschulen des Landes Steiermark gesammelt und aufbewahrt.

1964 | Konstituierende Generalversammlung der Gesellschaft der Freunde der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Graz
Am 10. April 1964 fand die konstituierende Generalversammlung der "Gesellschaft der Freunde der Akademie für Musik und darstellende Kunst" im Saal der Akademie in der Nikolaigasse statt. Landeshauptmann Stellvertreter a. D. Tobias Udier, der sich um die Erhebung des Landeskonservatoriums zur Akademie sehr verdient gemacht hatte, wurde zum ersten Präsidenten ernannt. In §2 der Satzung wird der Zweck des Vereins genannt: Die „Gesellschaft der Freunde“ ist ein unabhängiger, unpolitischer Verein, zu dessen Aufgaben die moralische und sachliche Förderung des weiteren Ausbaues der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Graz zählen, die materielle Hilfe, wo andere Mittel nicht zur Verfügung stehen, die Förderung der Studierenden sowie die Beschaffung von Instrumenten, Büchern, Tonbändern und Schallplatten. Zu Beginn zählte der Verein etwa hundert Mitglieder.

1965 | Gründung des Jazzinstitutes
Das von Friedrich Körner gegründete und geleitete Institut war zunächst Forschungs- und Lehrstätte. Im April 1969 wurde es in die Abteilung für Jazzpraxis – Leitung Dieter Glawischnig – und das selbständige Institut für Jazzforschung aufgeteilt, welches sich mit der wissenschaftlichen Forschung auf dem Gebiete des Jazz und der jazzidiomatischen Musik beschäftigt.

1965 | Errichtung einer Expositur im burgenländischen Oberschützen
Die Expositur in der burgenländischen Gemeinde Oberschützen wurde ursprünglich errichtet, um auch jenen Personen ein ordentliches Studium an einer Kunsthochschule zu ermöglichen, die aus verkehrstechnischen Gründen sonst nicht die Möglichkeit dazu gehabt hätten. Seit 1998 als Institut 12 in die Organisationsstruktur der KUG eingebunden, verfügt sie über eine eigene Studien- und Prüfungsabteilung sowie eine Bibliothek. Seit 1982 ist die Expositur im Neubau des Kulturzentrums Oberschützen untergebracht.

1965 | Gründung des Institutes für Elektronik
Bereits im Jahr 1965 wurde ein Studio, in welchem elektronische Musik realisiert werden konnte, eingerichtet. Im Herbst 1971 war das von Heinz Hönig geleitete Studio soweit ausgestattet, dass im Lehrbetrieb die prinzipielle Arbeitsweise bei der Realisierung von elektronischen Kompositionen vorgeführt werden konnte. Das heutige Institut für Elektronische Musik und Akustik versteht sich als Schnittstelle zwischen Naturwissenschaft und Kunst, zwischen neuen Technologien und musikalischer Praxis.

1967 | Gründung der Institute für Werkpraxis und Wertungsforschung
Die Hauptaufgabe des von Vera Schwarz geleiteten Instituts für Alte Musik und Aufführungspraxis – so die heutige Bezeichnung des Instituts für Werkpraxis der Akademie – ist die Erforschung und Erschließung Alter Musik und ihrer jeweiligen Aufführungstradition bzw. Spielpraxis. Das Institut für Musikästhetik wurde im Mai 1967 als Institut für Wertungsforschung an der Akademie von Harald Kaufmann gegründet und bis zu seinem Tod im Juli 1970 von ihm geleitet. Zu seinen Forschungsgebieten zählten die wertanalytischen Untersuchungen von Werkkomplexen, die Wertanalytik von musikalischen Interpretationen, musikpsychologische Tests und die kulturpolitische Marktforschung. Heute widmet sich das Institut musikästhetischen Fragestellungen.

Hochschule

1970 | Umwandlung der Akademie in eine Hochschule
Mit dem Kunsthochschulorganisationsgesetz von 1970 (BGBl. vom 10. Februar 1970) wurde die Akademie mit 1. August 1970 in eine „Hochschule“ umgewandelt. Auf Verwaltungsebene brachte dies die Einführung der sogenannten Rektoratsverfassung mit sich, welche die bis dahin geltende Präsidialverfassung ablöste. Neben dem Gesamtkollegium wurden die Abteilungskollegien und der Hochschulkonvent als Leitungsgremien gesetzlich verankert. Diesen gehörten erstmalig auch eine Studienvertretung an. Dem Rektor wurde ein Rektoratsdirektor zur Seite gestellt. Am 18. Mai 1971 wurde Friedrich Korčak zum ersten Rektor der Hochschule gewählt.

1974 | Sponsionsrecht für die Studienrichtung Musik-und Instrumentalmusikerziehung
Das seit 1974 geltende Studienrecht schuf die Möglichkeit den akademischen Grad eines „Magister artium“ an Alumni der Studienrichtung „Musikerziehung“ zu verleihen. Dieses Recht wurde durch das Kunsthochschulstudiengesetz 1983 auf alle mit Diplom abgeschlossenen Studien ausgeweitet und 1986 um das Recht, philosophische und naturwissenschaftliche Doktorgrade in Kooperation mit der „Karl-Franzens-Universität“ zu verleihen, ergänzt.

1974-1985 | Generalsanierung des Palais Meran
Das Palais Meran, 1841 bis 1843 von Georg Hauberisser dem Älteren erbaut und von 1845 bis 1939 von Erzherzog Johann und seinen Erben bewohnt, ist seit 1963 zentraler Sitz der heutigen Universität für Musik und darstellende Kunst Graz. Nach der Sanierung des Dachstuhls begann man 1981 – nach den Plänen des Grazer Architekten Ignaz Holub – mit der Adaptierung der Innenräume des Palais, welche mit der Fertigstellung des Florentinersaales im Jahr 1985 abgeschlossen wurde.

1982 | Einrichtung eines Abonnementzyklus
1982 wurde in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft der Freunde der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Graz ein Abonnementzyklus eingerichtet, um den Studierenden der KUG die besten in Graz verfügbaren Saalverhältnisse für ihre öffentlichen Auftritte zu ermöglichen. Mit einem Gedächtniskonzert für den Dirigenten Karl Böhm, der am 14. August 1981 verstorben war, wurde dieser Zyklus am 10. Dezember 1982 eröffnet.

1988 | Baubeginn Neubau
1988 erfolgte die Grundsteinlegung für den ersten Abschnitt eines Neubaus mit Unterrichtsräumen in der Brandhofgasse. Der nach den Plänen des Wiener Architekten Klaus Musil in Form eines Flügels gestaltete Bau wurde 1993 eröffnet. Der Spatenstich für den zweiten Abschnitt, in welchem die Bibliothek untergebracht werden sollte, fand im Herbst 1998 statt, die Eröffnung, nach einer Bauzeit von 18 Monaten, im Frühjahr 2000.

1989 | Erste Durchführung des Internationalen Wettbewerbs „Franz Schubert und die Musik des 20. Jahrhunderts
Der heutige Internationale Wettbewerb „Franz Schubert und die Musik der Moderne“ ist ein von der Kunstuniversität Graz 1989 erstmals unter dem Rektorat Sebastian Benda auf Initiative von Otto Kolleritsch ausgetragener Kammermusikwettbewerb, der seitdem alle drei Jahre angeboten wird und junge Musikerinnen und Musiker aus der ganzen Welt nach Graz bringt. Von Beginn an ging es darum, Schuberts Kammermusik in Beziehung mit neuen und neuesten Werken für entsprechende Besetzungen zu bringen. Außerdem wird die Erweiterung des Kammermusik-Repertoires mit Kompositionswettbewerben und Auftragswerken aktiv vorangetrieben.

Universität

1998 | Universitätswerdung
Mit 1. Oktober 1998 trat das Bundesgesetz über die Organisation der Universitäten der Künste (KUOG) in Kraft, die „Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz“ wurde zur „Universität für Musik und darstellende Kunst Graz“, kurz „KUG“ (BGBl. vom 18. August 1998). Mit dem Universitätsgesetz 2002 (BGBl. vom 9. August 2002) wurde die Grazer Kunstuniversität schließlich von einer Bundeseinrichtung zu einer „juristischen Person des öffentlichen Rechts“; Universitätsrat, Rektorat und Senat bilden seither die Leitungsorgane der Universität. Am 9. Mai 2003 erfolgte die Wahl von Otto Kolleritsch zum ersten Rektor nach dem neuen Universitätsgesetz.

2009 | Eröffnung MUMUTH
1998 gewann der Holländer Ben van Berkel den EU-weit ausgeschriebenen Architektenwettbewerb für den Bau eines „Hauses für Musik und Musiktheater“ (MUMUTH) in der Lichtenfelsgasse. Die Bauarbeiten begannen im März 2006, die Eröffnung des Hauses erfolgte drei Jahre später am 1. März 2009.

2009 | Gründung einer wissenschaftlichen und künstlerischen Doktoratsschule
Vizerektor Robert Höldrich verfasste die Gründungsdokumente, mit denen das Rektorat am 17.Juni 2009 eine wissenschaftliche und künstlerische Doktoratsschule per 1. September 2009 einrichtete. Die KUG war mit dem Dr.artium-Programm die erste Institution im deutschsprachigen Raum, die eine künstlerische Promotion anbot. Die wissenschaftliche Doktoratsschule hingegen löste die bisherigen interuniversitären Doktoratsstudien der Philosophie bzw. der Naturwissenschaften ab. 2013 erfolgte der erste Abschluss eines künstlerischen Doktoratsstudiums an der KUG.

2009 | Gründung eines Zentrums für Genderforschung
Das Zentrum für Genderforschung (ZfG) wurde 2009 unter dem Rektorat Georg Schulz gegründet, um den Auf- und Ausbau der musik- und theaterwissenschaftlichen Frauen- und Geschlechterforschung an der Kunstuniversität Graz voranzutreiben. Institutsübergreifend wird Lehre und Forschung auf diesem Gebiet initiiert und koordiniert , national und international werden Verbindungen zu Institutionen und Organisationen sowie wissenschaftlichen und künstlerischen Experten und Expertinnen geknüpft, die sich mit Genderaspekten in musikalischen und schauspielerischen, musik- und theaterwissenschaftlichen Bereichen auseinandersetzen.

2009 | Einführung PPCM -Performance Practice in Contemporary Music
Mit dem Wintersemester 2009/10 wurden zwei Ausbildungsprogramme Performance Practice in Contemporary Music (ein zweijähriges Masterstudium und ein einjähriger postgradualer Lehrgang) eingeführt, deren zentrales Künstlerisches Fach im Rahmen einer eigenen Professur betreut wird. Damit bekamen Instrumentalist_innen erstmals die Möglichkeit, eine fundierte Spezialausbildung in diesem Bereich zu erlangen. Innovativ ist neben dem Studienplan, der in Repertoire und Aufführungspraxis auf aktuelle Entwicklungen der zeitgenössischen Musik eingehen kann, die damals neu- und einzigartige Konstruktion, dass diese Professur nicht an eine Person, sondern mit dem Klangforum Wien an einen international höchst renommierten Klangkörper vergeben wurde.

© Universitätsarchiv der Kunstuniversität Graz, Ursula Ruff, Graz 2014; aktualisiert 2020 durch Sabine Göritzer