Kunstvermittlung

Ein künstlerisches Studium an der Kunstuniversität Graz ist Vorbereitung auf ein Leben auf und mit der Bühne – im unmittelbaren wie im weitesten Sinn des Wortes. Es ist daher Ziel eines Studiums an der Kunstuniversität Graz, dieser Aufgabe professionell und zukunftsorientiert gerecht werden zu können.

Im Wahrnehmen einer gefährlichen Spirale von praktischem Tagesbedarf, Nützlichkeit und Konsum und als Gegenentwurf zu einer primär ökonomisch orientierten Gesellschaftsordnung ist es Aufgabe einer Kunstuniversität mitzuhelfen, der Kunst den Stellenwert zukommen zu lassen, den sie als wesentliches und impulsgebendes Element einer vitalen und zukunftsorientierten Gesellschaft haben muss. In diesem Zusammenhang hat sich das Thema Kunstvermittlung als ein neuer, und vielfältig gestaltbarer Ansatz entwickelt, der wesentlich zur Berufsfähigkeit der Studierenden beitragen kann.

Europaweit wurden und werden in den letzten Jahren Ideen und unterschiedlichste Möglichkeiten pädagogischer und künstlerischer Vermittlungsarbeit entwickelt und verwirklicht. Das hat dazu geführt, dass dieses Thema berufsbezogen zentrale Bedeutung gewonnen hat.

Die Qualifikation in diesem Bereich spielt zunehmend eine ausschlaggebende Rolle bei Stellenausschreibungen im Orchester-, Opern- und Schauspielbetrieb und wird von Veranstalter_innen und im Bereich der freien Kunstszene als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt.

Künstlerisch „vermittelnde“ Ansätze versuchen einerseits das bestehende Publikum zu vertieften Hör- und Seherlebnissen zu (ver)führen und haben andererseits das Ziel, neues Publikum zu erreichen – sei es durch spezielle Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche oder durch gänzlich neue, innovativ kreative Veranstaltungsformate. All das beinhaltet neue Anforderungen an die Absolvent_innen, bietet zugleich aber auch neue und neu zu entwickelnde berufliche Möglichkeiten.

Diese Entwicklung ist eine gesellschaftliche Herausforderung, die mit praxisorientierten neuen Konzepten beantwortet werden soll. Kunstvermittlung bekommt auf zweierlei Weise einen wesentlichen Stellenwert im Rahmen der Studienpläne: Einerseits verpflichtend implementiert in die Curricula aller künstlerischen Studien und andererseits als eigenständiges Masterstudium „Kunstvermittlung“ (siehe dazu auch Kapitel 7.3.17 „Kunstvermittlung“) auf der Basis des für die Kunstuniversität Graz spezifischen Zusammenspiels aller mit diesem Thema befassten Bereiche – Dirigieren, Komposition, Instrumentalmusik, Gesang, Darstellende Kunst und Bühnengestaltung, sowie Musikologie und Musikpädagogik – ergänzt durch Erfahrungen in der bildenden Kunst und Medienkunst. Eine exzellente und umfassende Ausbildung im künstlerischen bzw. wissenschaftlichen Fach ist selbstverständliche Grundvoraussetzung, während die Motivation für die verpflichteten theoretischen Nebenfächer deutlich gesteigert wird durch den Anspruch, erst dadurch professionelle vermittelnde Arbeit leisten zu können. Die Kunstuniversität Graz geht davon aus, dass damit eine deutliche Qualitätsanhebung der künstlerischen, wie der wissenschaftlichen Ausbildung erreicht werden kann. Gleichzeitig wird damit der universitäre Anspruch an vernetztes Denken und Handeln erfüllt.